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Gesetzeslage

Unter Klinikmitarbeitern und Krankenpflegepersonal kommt es regelmäßig zu Zwischenfällen mit "scharfen medizinischen Gegenständen". Die Zahl wird auf 3,5 Millionen Unfälle pro Jahr weltweit geschätzt. Viele dieser Fälle können auf Missgeschicke mit IV Kathetern, Induktions-Spritzennadeln, Blutentnahme-Geräten und Gefäßzugangsnadeln zurückgeführt werden.

Eine Nadelstichverletzung oder Blutkontakt kann verheerende Auswirkung auf die Gesundheitseinrichtung, die Praxis und das Opfer haben, das sich daraufhin auf eine mögliche durch Blut übertragene Krankheit testen lassen muss. Ein Opfer, das sich eine Infektion oder Krankheit zugezogen hat, braucht medizinische Behandlung und muss im Zweifelsfall mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen rechnen.

Der beste Weg, Nadelstiche und Blutkontakt zu vermeiden, ist das rechtzeitige Einführen von Schutzmaßnahmen.

Safety On Point

Belgien

Für belgische Arbeitnehmer im Gesundheitswesen wurden die Regeln hinsichtlich der Risikovorbeugung vor dem Kontakt mit biologischen Wirkstoffen im April 2013 konkreter. Zu diesem Zeitpunkt wurden die bereits existierenden Regeln aus Artikel 3 des königlichen Erlasses vom 4. August 1996 bezüglich des Umgangs mit scharfen Gegenständen im Gesundheitswesen ergänzt und klarifiziert.

Die aktualisierte Gesetzgebung gibt dem Arbeitgeber größere Verantwortung und legt fest, das sie nun dazu verpflichtet sind, ihren Arbeitnehmern sowie externen Dienstleistern, die dem Risiko von Schnitt- und Stichverletzugen ausgesetzt sein könnten, aktive Gesundheitsfürsorge zukommen zu lassen. Die externen Dienstleistern in diesem Kontext zuzukommenden Informationen müssen klar auf die Risiken des Arbeitens mit scharfen Gegenständen sowie auf vorbeugende Maßnahmen hinweisen. Der Arbeitgeber muss außerdem sicherstellen, dass die Arbeitnehmer von externen Dienstleistern das korrekte Training erhalten, um auf die Arbeit mit scharfen Gegenständen vorbereitet zu sein.

Risikoanalyse und Vorbeugung

Im Bereich der Risikoanalyse muss der Arbeitgeber alle Situationen in Betracht ziehen, während derer Arbeitnehmer sich als Teil ihrer täglichen Arbeit an scharfen Gegenständen verletzen könnten.

Bei der Risikoanalyse sollte der Arbeitgeber Folgendes in Betracht ziehen:

  • Die technischen Mittel und die verwendeten Materialien;
  • Die Organisation der Arbeitsabläufe;
  • Die Arbeitsbedingungen;
  • Die Qualifikationsstufe des jeweiligen Arbeitnehmers;
  • Arbeitsbezogene psychologische Faktoren;
  • Den Einfluss relevanter Umweltfaktoren auf die Arbeit.

Auf der Grundlage dieser Risikoanalyse muss der Arbeitgeber vorbeugende Maßnahmen in die Wege leiten; dazu zählen die Versorgung mit Informationsmaterialien und Handbüchern für den korrekten Umgang mit scharfen Gegenständen.

Der Arbeitnehmer muss sich für den Fall, dass die Risikoanalyse ein bestehendes Risiko für Stich- und Schnittverletzungen aufzeigt, an folgende Maßnahmen halten:

  • Verhindern des unnötigen Einsatzes von scharfen Gegenständen durch eine Änderung der Arbeitsabläufe. Auf der Basis der Risikoanalyse muss der Arbeitgeber sicherheitsbezogene Technologien, die für scharfe Instrumente zur Verfügung stehen, mit einbeziehen;
  • Das Wiederverschließen von Spritzen muss verboten werden;
  • Sichere Abläufe für die Nutzung und Entsorgung von scharfen Gegenständen sowie von kontaminierten medizinischem Abfall müssen eingeführt werden. Diese Abläufe müssen regelmäßig überprüft werden.
  • Sichere und klar gekennzeichnete Behälter für die Entsorgung von scharfen Gegenständen sowie von kontaminierten medizinischen Abfällen müssen so nah wie möglich an den Orten der Nutzung der scharfen Gegenstände aufgestellt sein.
  • Die verschiedenen Risiken, die der Nutzung von scharfen Gegenständen anhaften, müssen erklärt werden.
  • Es muss eine Wahrnehmungshaltung für die bestehenden Risiken geschaffen werden durch die Entwicklung von Aktivitäten und Info-Materialien.

Der Arbeitgeber ist auch dafür verantwortlich, dass die Risiken und die vorbeugenden Maßnahmen während der Einarbeitungsphase erklärt werden. Das Befolgen der Maßnahmen zur Vorbeugung von Verletzungen und/oder Infektionen durch scharfe Gegenstände liegt im Verantwortungsbereich des Arbeitgebers.

Regionen:

Europa

Länder:

Belgien

Übersicht zur EU Direktive 2010/32/EU

Die EU Direktive 2010/32/EU betrifft die Implementierung einer Rahmenvereinbarung zur Prävention von Verletzungen durch scharfe Gegenstände in Krankenhäusern und im Gesundheitssektor.

Die Direktive gilt für alle Werktätige in Krankenhäusern und im Gesundheitssektor, die als Teil ihrer Arbeit dem Risiko von Verletzungen durch scharfe Gegenstände ausgesetzt sind. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer stehen in der Verantwortung, sichere Arbeitsabläufe einzuführen, die in Einklang mit den relevanten EU-Direktiven und -Richtlinien stehen. 

Das Ziel der Direktive ist es, die bestmöglichen Arbeitsabläufe durch die Einführung von Prozessen zu schaffen, welche die Handhabung scharfer Gegenstände sicherer machen. Zudem soll die Berichterstattung und die Fortbildung von Arbeitnehmern verbessert werden. 

Die in der Direktive festgeleten Bestimmungen bauen auf existierenden Anforderungen aus dem Gesetz zur Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit von 1974 und dem Gesetz zur Bereitstellung und Nutzung von Arbeitsgeräten von 1998 auf.  

Die Frist für die Mitgliedsländer der EU zur Einführung angemessener Maßnahmen zum Schutz vor Stich- und Schnittverletzungen war der 11. März 2013. Diese Frist ist nun verstrichen, und Großbritannien, wie viele andere Länder, musste seine Gesetzgebung mit der EU Direktive 2010/32/EU in Einklang bringen, um von den Vorteilen für britische Angestellte im Gesundheitssektor profitieren zu können. 

Hilfreiche Links/Ratgeber:

Offizielles Journal der Europäischen Union L/134/66 (2010) Direktive 2010/32/EU

Webseite zu Gesundheit und Sicherheit

Info-Blatt zu Gesundheit und Sicherheit

Gesetz zur Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit von 1974

Netzwerk für sichere Spritzen

Richtlinien des Royal College of Nursing

Europäisches Netzwerk für Bio-Sicherheit

Regionen:

Europa

Länder:

Vereinigtes Königreich, Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien, Portugal, Australien, Österreich, Italien

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